Nadja Saidakova beendet nach 28 erfüllten Jahren ihre Karriere

27.04.2017

Wenn sich Nadja Saidakova am 19. Mai mit der Tatjana in John Crankos „Onegin“ von der Bühne verabschiedet, verlässt, nach Bettina Thiel bereits vor längerem und erst jüngst Beatrice Knop, die letzte große Ballerina das Staatsballett Berlin. Rund 50 Rollen hat sie in ihren 22 Berliner Jahren gestaltet, war Aurora, Marie, Odette/Odile, Kitri, Raymonda, Manon, Bajadere und Sylphide, Tschaikowskis unglückliche Gattin und Peer Gynts liebende Solveig. Dass sie ebenso in Werken von Balanchine bis Forsythe, von Scholz bis Duato und Bigonzetti glänzte, macht sie zu einer enorm vielseitigen Ausnahmetänzerin. Sie selbst sieht sich, mit leichtem Augenzwinkern, als „Hochdramatische“ im Tanz. Im Gespräch mit VOLKMAR DRAEGER lässt sie ihre Karriere Revue passieren.

Wenn ich mich an Ihre vielen Rollen erinnere, drängt sich die Brünnhilde in Maurice Béjarts „Ring um den Ring“ in den Vordergrund. Woran aber erinnern Sie sich zuerst?

Erst mal gar nicht konkret an eine bestimmte Rolle. Es gab viele tolle Momente, auf der Bühne, im Saal, mit Partnern und Kollegen. Woran ich gerade gearbeitet habe, wurde meist auch meine Lieblingsrolle. Ich empfinde große Dankbarkeit für eine lange Karriere, in der es auch ein paar Verletzungen gab, etwa eine komplizierte Stressfraktur. Und es gab die Geburt zweier Kinder. Nach dem ersten war ich mir nicht so sicher, ob ich zurück auf die Bühne sollte und auch wollte. Es dauerte einige Zeit, bis ich mich dort wieder glücklich fühlte.

Nadja Saidakova in "Onegin”, tanzend mit Leonard Jakovina, im Hintergrund Mikhail Kaniskin. Foto Enrico Nawrath

Lassen Sie uns über Ihre Anfänge sprechen.

Mein Leben begann in Izhevsk, russische Provinz im Ural. Weil ich mich gern bewegte, brachten mich meine Eltern in eine Kindertanzgruppe, die Lehrerin empfahl eine staatliche Schule. So kam ich mit neun für acht Jahre nach Perm, fast sieben Zugstunden weit von zu Hause. Als einzige vom Eignungstest an diesem Tag hatte man mich aufgenommen, nur zwei Mal pro Jahr konnte ich die Familie besuchen, hab anfangs viel geweint. Den anderen erging es ähnlich, sie kamen ja bis aus Wladiwostok und der Mongolei. Zu Sowjetzeiten waren alle ziemlich gleich, die Klassenlehrerin organisierte unser Leben. Doch dann, mit der Perestroika ab 1989, wurde alles teurer, 1991 war das schlimmste Jahr, manchmal gab es in den Geschäften bloß Seife und Salz, und fürs Schlangestehen nach Brot und Milch blieb keine Zeit. Nicht nur einmal habe ich da trotz der physischen Belastung gehungert, bin sogar ohnmächtig geworden.

“Romeo und Julia”, Nadja Saidakova mit Mikhail Kaniskin, Foto Bettina Stöß

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