Michael Bazhaf nimmt Abschied von der Bühne

21.01.2017

Interview mit Michael Banzhaf

Am 1. März verabschieden Sie sich von der Bühne und aus einem Tänzerdasein, das in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich war. Sie haben Ihre Karriere ausschließlich in einer Stadt erlebt, erst als Ensemblemitglied der Deutschen Staatsoper Unter den Linden, später als Solist des Staatsballetts Berlin. Und nicht nur das: Sie haben aus Verletzungsgründen in der ganzen Zeit nicht eine einzige Vorstellung absagen müssen. Wie fühlt sich denn so ein Finale an? Und ist es freiwillig?

Nicht so ganz. Bliebe ich länger, wäre ich unkündbar, und das will man vermeiden. Ich persönlich bin auch nicht wirklich daran interessiert. Ich habe meine Karriere selbst erkämpfen müssen und möchte auch jetzt nicht, dass mir etwas zugeteilt wird. Ich werde im Februar 39. Es fühlt sich für mich richtig an, jetzt aufzuhören, auch wenn ich in den letzten zwei Spielzeiten unter Nacho Duato gut beschäftigt war und mich nach wie vor fit fühle. Man nimmt nicht unbedingt wahr, dass ich viel älter bin als die anderen.

Konnten Sie sich entscheiden, wie Sie sich verabschieden?

Michael Bazhaf und Polina Semionova in ´Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere´ © Fernando Marcos

Ja. Ich gebe am 1. März in der Komischen Oper meine offizielle Abschiedsvorstellung. Es gibt ja nicht mehr die großen Stücke, die ich in der Malakhov-Ära interpretiert habe, und deshalb ließ man mir die Wahl zwischen Duatos „Dornröschen“ und „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“. Natürlich mache ich den Bach, weil der den ganzen Abend auf der Bühne präsent ist. Aber es gibt auch in der Deutschen Oper Ende der Spielzeit drei „Dornröschen“-Vorstellungen mit mir als Carabosse - sozusagen als kleinen Epilog. Beatrice Knop hat das ähnlich gemacht.

Mit welchem Stück haben Sie sich denn vorgestellt?

Ich bin 1998 als Zwanzigjähriger nach Berlin gekommen. Als erstes Stück erlebte ich „Dornröschen“ im Corps de ballet, das Ballett also, mit dem ich mich endgültig von der Bühne verabschiede, wenngleich in einer anderen Fassung. Vladimir Malakhov vertraute mir später die Carabosse an. Mit 28 Jahren war ich seinerzeit noch relativ jung für die Partie, aber sie öffnete mir die Tür für all die Schreit-, die Charakterrollen, die ich mein ganzes Leben lang nebenher noch interpretiert habe. Den Frollo in „Esmeralda“ beispielsweise, die Madge in „La Sylphide“, den Brahmin in der „Bajadere“, den Drosselmeyer gleich in zwei verschiedenen Versionen. Mich haben die Rollen immer reifen lassen. Aber ich habe immer gesagt: Es müssen Rollen sein.

Interview von Hartmut Regitz 

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Michael Banzhaf in Boris Eifmanns ´Tschaikovski´ Michael Banzhaf in ´Mozart Klavierkonzert´ © Enrico Nawrath

           

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