Bettina Wagner-Bergelt verlässt das Bayerische Staatsballett

30.08.2017

Eine Frage von Kunst und Chemie.

Nun ist raus, was schon seit Mitte Mai durch die Ballettkulissen geisterte: Bettina Wagner-Bergelt, seit 27 Jahren Mitglied im Direktionsstab und in Ivan Liškas Ära Maßstäbe setzender „Kopf der Moderne“ beim Bayerischen Staatsballett kehrt dem Ensemble endgültig den Rücken. Ans Haus geholt hatte sie Konstanze Vernon, die mit ihrer Übernahme der Leitungsspitze die Kompanie 1988 in die künstlerisch so wichtige Eigenständigkeit führte.

© Sascha Kletsch

Wie gut oder schlecht diese personelle Schlankheitskur ist, wird sich zeigen. Noch weilen die Tänzerinnen und Tänzer sowie ihr Chef Igor Zelensky in der Sommerpause. Eine erste Spielzeit hat – immerhin für ein regionales wie internationales Publikum überzeugend – bewiesen, dass der neue Ballettdirektor „was auf dem Kasten hat“. Um zu sehen und zu prüfen, was genau – dafür sollte man ihn (wie die neuen Kollegen an den benachbarten Staats- und Stadttheater-Häusern) erst mal gewähren lassen.


Wolfgang Oberender, Ivan Liska, Bettina Wagner-Bergelt © Wilfried Hösl 

Dass Zelensky im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der sich in allen Programmfragen stets vom Rat und Wissen seiner beiden Stellvertreter Wagner-Bergelt (für die Schiene des Zeitgenössischen) und Wolfgang Oberender (im Bereich der Klassik) flankieren ließ, als Selbstentscheider agiert, war vom ersten Tag seiner Amtsübernahme an eigentlich klar.
Kein leichtes Auskommen also für jemanden wie Bettina Wagner-Bergelt, die sehr souverän im Bestimmen sein kann. So muss es wohl schnell zwischen dem Direktor und seiner – seit einem Jahr nominell nur mehr Dramaturgin – geknirscht haben. Ob der Grund wirklich die Tatsache war, dass bei den Tänzern „jetzt wieder Blut im Schuh ist“, wie Wagner-Bergelt es in ihrer Dankrede anlässlich der Verleihung des Tanzpreises der Landeshauptstadt München an die bis Spielzeitende 2016 bestens eingespielte Dreier-Konstellation formulierte? Jeder Kenner und Liebhaber des Metiers weiß, wie sehr Ballett den Körper strapaziert.
Mit einer Abfindung zu gehen, wenn es am schönsten war und die Chemie für künftige Projekte nicht mehr stimmt, ist eine richtige Entscheidung! Zumal Bettina Wagner-Bergelt ihre zahlreichen Kontakte zu kunstverbundenen Führungsetagen und zur internationalen, vornehmlich zeitgenössischen Szene in den letzten Monaten zwecks Neuorientierung gut nutzen konnte. Und die passende Abzweigung für ihren persönlichen Karriere-Fortgang auch schon gefunden hat, bei der Tanz nicht gänzlich ausgeklammert bleibt – beispielsweise in Form der beim Bayerischen Staatsballett II (jetzt neu: Bayerisches Jugendballett München) im Repertoire befindlichen Bohner-Rekonstruktion von Oscar Schlemmers „Das Triadische Ballett“. Wie man vernimmt, wird sie 2019 in Berlin das des Eröffnungsfestivals „Bauhaus 100“ (https://www.bauhaus100.de) übernehmen.

Modern(e) aber werden die Neuen beim Bayerischen Staatsballett sicher auch tanzen. Man streiche sich schon mal die Ballettfestwochenpremiere mit dem Porträt-Abend Wayne McGregor dick im Kalender an. Die zweite Saison der noch im Aufbau und in ihrer Entwicklung befindlichen Kompanie startet am 28. September mit einer Wiederaufnahme von John Crankos Ballettkomödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ nach William Shakespeare. Befördert wurden Jonah Cook vom Solisten zum Ersten Solisten. Wieder fest ins Ensemble aufgenommen wurde Erik Murzagaliyev, der zum Solisten aufsteigt, ebenso wie zur vergangenen zweiten Spielzeithälfte vom Stanislawski-Theater neu übernommene Alexander Omelchenko. Gruppenmitglied Dmitry Vyskubenko wird fortan als Halbsolist tanzen. Bereits im April 2017 zur Solistin ernannt wurde die Wienerin Prisca Zeisel.
Unter den Tänzerinnen und Tänzer, die sich für eine Veränderung entschieden haben und München leider verlassen, sind: Matej Urban (er wechselt nach Monte Carlo zu Jean Christophe Maillot), Mai Kono (ab Herbst beim Ballet Le Grand in Montreal) und Nicha Rodboon (mit Ziel Royal Ballet Flandern, Antwerpen). Radka Příhodová und Adam Zvonař kehren in die Heimat zurück. Dort findet man sie, gut angekommen beim Tschechischen Nationalballett Prag. Aus dem Corps de ballet wird man zwei Italiener vermissen. Robin Strona geht zum Ballett der Semperoper Dresden und Gianmarco Romano zum Finish National Ballet. Es bleibt spannend, wie es in der Welt des Tanzes weitergeht – hier, wie dort!

Vesna Mlakar

           

Add a comment

 
Back
 
21.09.2017

Sonia Rodriguez Wins Rolex Dancers First Award

Karen Kain, Artistic Director of The National Ballet of Canada announced that Principal Dancer Sonia Weiter
19.09.2017

YOUNG GYU CHOI WINNS THE ALEXANDRA RADIUS PRIZE 2017

Young Gyu Choi, principal dancer with Dutch National Ballet, is the winner of the Alexandra Radius Prize Weiter
14.09.2017

Ben Van Cauwenbergh bleibt am Aalto Ballett Essen

Der Vertrag mit dem Essener Ballettintendanten wurde bis zur Spielzeit 2022/2023 verlängert. Ben Van Weiter