Gauthier Dance News

Nach dem tourintensiven ven Oktober mit Stationen in Toronto, New York und Tel Aviv ist Gauthier Dance zum ersten Mal in dieser Spielzeit wieder im Theaterhaus Stuttgart zu erleben. Auf dem Programm steht eine Produktion, die dem MEGA in ihrem Titel alle Ehre macht: MEGA ISRAEL riss am 6. Juli nicht nur das Premierenpublikum bei der COLOURS-Eröffnung buchstäblich von den Stühlen. Auch die versammelte Kritikerschaft war sich einig: Die wie unter Starkstrom stehenden Stücke dreier israelischer Meisterchoreographen zeigten Gauthier Dance in Bestform, physisch wie künstlerisch. Weil bei den drei COLOURS-Aufführungen längst nicht alle Interessierten zum Zuge kamen, freuen sich Eric Gauthier und seine Tänzerinnen und Tänzer ganz besonders auf die Wiederaufnahme.
Den zweiten Teil des Monats verbringt Gauthier Dance wieder auf Reisen – diesmal geht es nach Moskau und St. Petersburg. Dort ist die Company nun schon zum zweiten Mal bei CONTEXT eingeladen, einem Festival, das Weltstar Diana Vishneva ins Leben rief, um in ihrem Heimatland für den zeitgenössischen Tanz zu werben. Denn dank ihrer großen Ballett-Tradition lieben die Russen zwar alles Klassische, doch sie stehen dem modernen Tanz häufig eher distanziert gegenüber. Eric Gauthier unterstützt Diana Vishnevas Mission sehr gern und hat für CONTEXT zwei bewusst sehr gegensätzliche Stücke ausgesucht – Marco Goeckes großartigen, tragischen NIJINSKI und Alejandro Cerrudos freches Solo-Trio PACOPEPEPLUTO. Die Theaterhaus-Company ist gespannt auf die Russland-Tour und darf sich geehrt fühlen. Am Bolschoi Drama Theater und dem Mariinski-Theater in St. Petersburg sowie am Stanislawski-Musiktheater und am Mossowjet-Theater in Moskau werden sie auf einigen der berühmtesten Bühnen der Tanz- und Theatergeschichte stehen.


Szenenfotos Regina Brocke
Company in Hofesh Shechter, Uprising

Volle Kraft voraus! Zur Premiere und gleichzeitigen festlichen Eröffnung von COLOURS 2017 präsentierten sich die Gastgeber mit einem Programm, das den zeitgenössischen Tanz von seiner dynamischsten Seite zeigt – voller Power, Energie und mit einer ausgeprägten persönlichen Handschrift. Der rote Faden: Alle Choreographen sind gebürtige Israelis, arbeiten aber heute mit und für führende Companies auf der ganzen Welt. Und alle drei Produktionen markierten für ihre Schöpfer bedeutende Stationen in ihrer künstlerischen Karriere.
Hofesh Shechter, der bei COLOURS erkundet mit Uprising die extrem physische, virile Seite des Tanzes. Sieben Männer, barfuß und lässig in T-Shirts und Hosen gekleidet, voller Unsicherheit und latenter bis hin zu unverstellter Aggressivität. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft liegt im Clinch mit brutalem Dominanzstreben. Den Takt gibt die Musik vor: peitschende, elektronisch verzerrte Rock-Sounds, komponiert vom Profi-Schlagzeuger Shechter selbst. Ein starkes Statement und eine eigene, neue Farbe, durch die Hofesh Shechter den Tanz unverkennbar bereichert hat.
Auch Gai Behar und Sharon Eyal, lange Jahre Tänzerin und später Hauschoreographin für Ohad Naharins Batsheva Company, lieferten mit Killer Pig ihre internationale Visitenkarte ab. Für Gauthier Dance haben Eyal–Behar eine neue Stuttgarter Fassung kreiert – besetzt mit sechs Tänzerinnen, wie bei der Uraufführung, und kondensiert auf 30 radikale Minuten. Im Gefüge von MEGA ISRAEL bilden die herbe Ästhetik und präzisen Bewegungen von Killer Pig das ideale Gegenstück zu Shechters Uprising. Wir sehen rätselhafte Amazonen in perfekt synchronen Formationen und verzweifelten Ausbrüchen, die jedes Klischee vom weiblichen Tanz sarkastisch pulverisieren.
Der dritte Beitrag im Bunde ist Minus 16 von Ohad Naharin, der mit seiner Batsheva Dance Company als Großmeister des Tanzes aus Israel gilt. Nach Kamuyot, dem umjubelten Gauthier Dance-Beitrag für COLOURS 2015, vertraute der Erfinder der Gaga-Methode der Company nun erneut ein Stück an. Nur dass man statt „ein“ Stück lieber DAS Stück sagen sollte ... Schließlich schuf Naharin mit Minus 16 ein echtes Signature Piece, das schon bald nach der Premiere im Jahr 1999 Kultstatus erlangte. Wie in einem Kaleidoskop vereint es unterschiedlichste Episoden, Musiken und Stimmungen, die Naharin jeweils neu arrangiert und variiert – vom entfesselten Stuhlkreis mit kraftvollen, orientalisch angehauchten Gesängen bis zum entrückten Pas de deux zu Antonio Vivaldis Stabat Mater. Eine denkbar intensive Gruppenerfahrung für Tänzer und Publikum, die bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat.

 


Szenenfotos Regina Brocke
Company & Anna Süheyla Harms in Sharon Eyal–Gai Behar, Killer Pig

Theaterhaus Stuttgart, T1
Freitag, 3. November 2017 & Samstag, 4. November – jeweils um 20:00 Uhr / Sonntag, 5. November 2017 um 19:00 Uhr / Montag, 6. November & Dienstag, 7. November 2017 – jeweils um 20:00 Uhr
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Gauthier Dance zu Gast bei CONTEXT. Diana Vishneva 2017. International Festival of Contemporary Dance
Eine Ballett-Ikone mit Doppelleben: Die Absolventin der legendären Waganowa-Akademie in St. Petersburg und Preisträgerin des Prix Benois de la Danse und des Prix de Lausanne strebte schon immer nach dem Besten aller Tanz-Welten. Als Solistin schaffte Diana Vishneva den Spagat zwischen dem Mariinsky-Ballett und dem American Ballett Theater, bei denen sie parallel als Solistin unter Vertrag stand. Mit der Diana Vishneva Foundation setzt sie sich dafür ein, ein Publikum aus allen Schichten für den Tanz zu begeistern. Dieses Ziel verfolgt sie auch mit dem CONTEXT-Festival, das dem ballettverrückten russischen Publikum den zeitgenössischen Tanz nahebringen will. Bei der CONTEXT-Premiere von Gauthier Dance 2014 begeisterte die Company das Publikum mit einem gemischten Programm und einem besonders ehrenvollen Auftritt: In Hans von Manens legendärem Pas de deux The Old Man and Me tanzte Eric Gauthier an der Seite der Gastgeberin! Nun heißt es: da capo mit einem klug gewählten Kontrastprogramm. Neben Alejandro Cerrudos aufreizendem Solo-Trio PACOPEPEPLUTO für drei sparsamst gekleidete Männer als Gala-Stück zeigt Gauthier Dance die Russland-Premiere von Marco Goeckes Meisterwerk NIJINSKI. Eric Gauthier ist zuversichtlich, in der künstlerischen Heimat des Jahrhunderttänzers auf besonderes Interesse zu stoßen.
Montag, 13. November 2017 im Stanislawski-Musiktheater Moskau – PACOPEPEPLUTO
Dienstag, 14. November & Mittwoch, 15. November 2017 im Mossowjet-Theater Moskau – NIJINSKI
Samstag, 18. November 2017 im Bolschoi Drama Theater St. Petersburg – NIJINSKI
Sonntag, 19. November 2017 im Mariinski-Theater St. Petersburg – PACOPEPEPLUTO


 

 

           
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