Die Weltmeister: Dmitry Zharkow und Olga Kulikova

27.03.2017

Ganz oben angelangt – was nun?
Ein Treffen mit den russischen Weltmeistern im Standardtanzen: Dmitry Zharkow und Olga Kulikova

Interview von Ute Fischbach Kirchgraber

Eigentlich müsste ihnen das Strahlen ins Gesicht eingebrannt sein, denn immerhin haben sie ihren WDSF-Weltmeistertitel im Standardtanzen erfolgreich verteidigt. Doch wenn man Dmitry Zharkow und Olga Kulikova auf dem Tanzparkett bei einem internationalen Workshop begegnet, so sieht man zwei hoch engagierte, streng in sich gekehrte Tänzer, die sich total introvertiert nur auf sich selbst konzentrieren. Nicht einmal bei der Ehrung hochkarätiger Teilnehmer des Artistic Camps in München unter der Federführung von Asis Khadjeh-Nouri treten sie entsprechend selbstbewusst auf und präsentieren sich mit kaum mehr als einer Saalumrundung Langsamer Walzer. Bescheidenheit schreiben sie ebenso groß wie Trainingsfleiß. Und sie haben alles unter Kontrolle – auch die Emotionen. Das heißt jedoch nicht, dass sie keine hätten. Was da unter der Oberfläche brodelt, wird dann doch für einen Moment sichtbar. Am Ende dieser Kürzest-Show umarmt Dmitry seinen Lieblingstrainer Fabio Selmi (Danceforyou Magazine hat über diesen Meister-Trainer vergangenes Jahr berichtet) und wirbelt ihn in einer standing spin herum, so dass der alle Bodenhaftung verliert und wie im Karussell herumfliegt, unter dem Beifall der Menge. Und da befreit ein Lächeln Dmitrys Gesicht.

Dass hinter dem so leicht und heiter wirkenden Tanzen härteste Arbeit steckt, ist ohnehin klar. Dmitry und Olga gehören keineswegs zu den Tänzern, die vom Publikum Standing Ovations einfordern, bereits wenn sie das Parkett betreten. Die beiden sind so normal geblieben, dass sie sich in jeder Menge verstecken können. Denn für Dmitry und Olga ist der Weltmeistertitel nicht unbedingt ein Geschenk, sondern die Krönung einer nicht endenden Leidensgeschichte. Fragt man die beiden, wieviel Talent es zum Fleiß bedarf, um so weit zu kommen, erhält man folgende Antwort: „Wenn sie nach Talent fragen, so sind wir das falsche Paar – wir hatten es nicht leicht, wir waren als Kinder und Jugendliche nicht so gut… Schauen Sie sich die Ergebnisse von damals an. Wir arbeiten sehr hart. Es gibt viele hervorragende Tänzer auf der Welt. Für uns gibt es kein Relaxen, unsere Energien sind immer an. Talent ist gut, damit lernt es sich schneller. Mit harter Arbeit dauert es etwas länger. Aber man hat mehr Knowledge, weil man es eben nicht automatisch macht, man muss mehr entdecken. Talent kann einen doch abhalten von harter Arbeit. Es geht um eine Balance zwischen Talent und harter Arbeit."

Fotos von Thomas Kirchgraber 

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