Ausweitung der Kampfzone im Tanzsport

03.10.2016

 Ausweitung der Kampfzone im Tanzsport - Eklat bei den German Open Championships in Stuttgart

Artikel von Ute Fischbach-Kirchgraber 

Normalerweise zeigt sich die German Open als größtes Tanzturnier der Welt immer mit Superlativen. Noch nie waren so viele Tanzpaare angetreten, noch nie so viele Nationen, noch nie war das Niveau so hoch. Das hätte auch für die diesjährige German Open gelten können – wenn es da nicht am letzten Tag beim allerletzten Grand Slam einen Eklat gegeben hätte. Nicht offiziell sichtbar vor Ort, aber so doch bei der traditionellen Fernsehaufzeichnung der absoluten Höhepunkte. Da stellte nämlich der Moderator dem deutschen Welt-Spitzenpaar Simone Segatori/Annette Sudol suggestiv die Frage, dass es wohl doch nur ein unverantwortbarer Betriebsunfall gewesen sein kann, dass die beiden bei der Weltmeisterschaft diesmal mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen mussten, statt zu gewinnen – denn die schärfsten Konkurrenten, die Russen Dmitry Zharkov / Olga Kulikova hatten das Turnier für sich entschieden. Und der Moderator unterstellte den Russen Feigheit, nicht in Stuttgart anzutreten, weil ein Wertungsrichter des Teams Diablo, der wohl auf Seiten der Russen steht, abgelehnt wurde.

Mehrfache Amateur-Weltmeister der WDSF und derzeitige Vize: Simone Segatori und Annette Sudol (Foto Thomas Kirchgraber)

Es stimmt, Zharkov trat nicht an – wie es heißt auf Anraten seines Trainers. Aber das ist nur der eine Teil der Wahrheit. Der andere ist, dass das deutsche Paar ein paar Wochen zuvor bei der Styrian Open in Graz gekniffen hatte - da stand nämlich das russische Paar auf dem Parkett. Wohlweislich sicher, denn das Wertungsgericht war anders besetzt und Segatori / Sudol haben sich keine Chancen auf den ersten Platz ausgerechnet. Und wenn man weiss, dass man aus politischen Gründen nur Zweiter werden kann, tritt man eben nicht an. Das ist die eine Lösung. Die andere ist jene, die das dänische Paar Emanuel Valeri / Tanja Kehlet bei den Professionals schon seit Jahren verfolgt. Die beiden wissen auch ganz genau, dass sie in Stuttgart nicht gewinnen können, weil da die Deutschen Benedetto Ferruggia / Claudia Köhler den Heimvorteil haben. Trotzdem kommen sie jedes Jahr und zeigen, dass sie sehr wohl auch Sieger sein könnten. Inzwischen fällt auch das Wertungs-Ergebnis nicht mehr ganz so eindeutig aus - und das Publikum vor Ort ist erkennbar auf ihrer Seite.

Top-Professionals der WDSF: Emanuel Valeri und Tanja Kehlet (Foto Ute Fischbac-Kirchgraber) 

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