Neustart am Teatr Wielki in Poznan

26.11.2015

Neustart am Teatr Wielki in Poznan


Der neue Ballett-Manager des Teatr Wielki in Poznan ist kein Unbekannter: Der Dessauer Chefchoreograf Tomasz Kajdanski übernahm diese Aufgabe im vergangenem Jahr und eröffnete Ende Oktober die neue Saison 2015/16 mit der Premiere von George Balanchines „Serenade“ und einer Weltpremiere, „Infolia“, von dem polnischen Choreografen Jacek Przybyłowicz. Ein sehr emotionaler Moment für ihn, etwas ganz Besonderes, nicht nur weil in Poznan vor seiner Direktion in der letzten Saison aufgrund personeller Schwierigkeiten kaum eine Tanzpremiere stattfand. In Poznan legt Kajdanski jetzt besonderes Augenmerk auf die Fortführung höchsten künstlerischen und technischen Niveaus. Dafür gestaltet er ein spannendes Programm und wird künftig neben polnischen auch internationale Künstler und Pädagogen nach Poznan einladen, um den Tänzern möglichst viele Möglichkeiten zur Entfaltung zu bieten. Sein Ziel ist es, die Tanzkompanie fit zu machen für jede Herausforderung, sowohl im klassischen als auch im modernen Tanz. Die erste Premiere ist in diesem Sinne ein Meilenstein seiner Arbeit, die gerade erst begonnen hat. Die Kombination dieser beiden Choreografien an einem Ballettabend ist in jeder Hinsicht einzigartig und für die Zuschauer eine Gelegenheit, simultan bewährte und neue interpretative sowie stilistische Wandlungen des zeitgenössischen Tanzes zu verfolgen.

In Kontrast dazu der zweite Teil des Abends, „Infolia“, von Jacek Przybyłowicz, der eine ganz eigene choreografische Handschrift besitzt. Die Tanzsprache, die er nutzt, ist Ausgangspunkt für das, was auf die Bühne geschieht, eine Abwechslung von Sinnlichkeit und Kraft, Weichheit der Bewegung und Flexibilität des Körpers. Es ist seine Empfindsamkeit für die Musik und die Gestik, die theatralischen Effekte mit der er den Tanz attraktiver für das Publikum macht, obwohl seine Choreografie keine klare Handlung hat und nur von Ausdruck und Energie lebt. Farben sind sehr sparsam verwendet, wenn überhaupt. Für „ Infolia“ nutzt er z. B. monochromatisches Schwarz, eine bescheidene Form als neutralen Bühnen-Hintergrund für die Tänzer, um den Zuschauern den Kontrast zwischen Choreographie und visueller Kunstform zu ermöglichen. Der junge Choreograf ist, wie seine Kreation „Infolia“, ein noch unbeschriebenes Blatt, das viele Fragen offen lässt und sein Publikum in Zukunft bestimmt noch überraschen wird. Mihaela Vieru traf der Künstler die seiner Premiere in Poznan:

DFY: Wie sehen Sie den zeitgenössischen Tanz heute, glauben Sie, er ist anspruchsvoller als früher?

Wir können, glaube ich, in der zeitgenössischen Tanzkunst seit vielen Jahren große Veränderungen beobachten. Ja, ich finde, der Tanz des XXI. Jahrhunderts ist nicht nur anspruchsvoll, sondern auch sehr vielfältig, „Diversity“- Zeichen unserer Zeit, die ebenfalls in anderen Bereichen der Kunst sichtbar sind.



DFY: Ihre Karriere umfasst auch klassisches Ballett; wie haben Sie Ihre Karriere als Choreograph angefangen und warum?

Im Alter von 19 begann ich meine Kariere als Tänzer am Ensemble der Nationaloper in Warschau, das heute als Polnisches Nationalballett benannt ist. Im selben Zeitraum habe ich auch mein Studium abgeschlossen, in der Tanzabteilung der Hochschule für Musik Frederic Chopin in Warschau. Ich hatte eine pure klassische Ausbildung und doch war ich sehr hungrig darauf, die Welt des zeitgenössischen Tanzes zu entdecken... 


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Fotos: Katarzyna Zalewska

           

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