4/2011 Juli-August

Editorial

 

Ballettschulen haben es mitunter nicht leicht: Nachmittagsunterricht in Ganztagsschulen kollidiert mit Tanz-Stundenplänen, Eltern streiken aus wirtschaftlichen Gründen oder das Leistungsideal der hohen, klassischen Schule passt nicht zur Einstellung der Kids. Die möchten an ihrem Hobby nämlich vor allem Spaß haben, Stress gibt es in der Schule genug (und nicht selten auch in der Familie). Der ADTV (Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerverband) scheint dies schon lange erkannt zu haben. Erstaunlich, wie kreativ man heute sein kann – und vielleicht auch muss - um den Nachwuchs in die Tanzsäle zu ziehen. Da werden Kooperationen mit Touristik-Unternehmen geführt; eitle Mamas im Frühförderungs-Wahn dürfen ihre Krabbelkinder zum „Pampers“-Tanzen bringen, und wenn auch das nicht zur Lobby- und Imagepflege reicht, stellt man flux einen Rekord fürs Guiness-Buch auf.

Das alles erscheint auf den ersten Blick übertrieben, beim näheren Hinsehen erkennt man jedoch: Es tut sich etwas; der Tanz kommt ins Gespräch, und das ist allemal besser, als jammernd die Hände in den Schoß zu legen. Interessant wird es vor allem, wenn es um pädagogische Leitlinien geht. Die klassische Ballettlehrerin, die ihre Klasse wie auf der Akademie niedermacht, um noch das Letzte aus den Elèven herauszuholen, mag bei Profi-Tänzern noch Anerkennung finden. Das Hobby-Klientel zieht sich schnell zurück; selbstbewusstere Schülerinnen und Schüler zeigen dem „Drachen“ womöglich einen Vogel, nach dem Motto: „Mama bezahlt doch nicht, damit ich mich hier fertigmachen lasse!“.  Wie man als Lehrer mit Kritik umgehen sollte und welche Motivation Früchte trägt, lesen Sie ab 21.

 

Tänzerbiografien sind immer wieder beeindruckend, etwa, wenn sich Fünfjährige fürs Leben entscheiden und hartes Training einer entspannteren Kindheit vorziehen. Daria Sukhorukova und Marianela Nunez waren in diesem Alter, als sie für den Tanz entbrannten. Wie hart der war ihr Weg zum Solo-Star?

Dabei ist vor allem auch der kulturelle Hintergrund bemerkenswert. Die gute, aber harte russische Schule mit erschöpfenden Tourneen und das europäische Ballett: anspruchsvoll, aber mit einem Ohr für individuelle Wünsche und mit Platz für Enthusiasmus …

 

Der Sommer ist da, und mit ihm die Urlaubszeit. Wir wünschen allen Tänzerinnen und Tänzern, Choreografen und natürlich auch dem lesenden Publikum schöne Ferien: Einen großen Schritt Abstand vom Ballett und viele weitere darauf zu. Unterm Strich bleibt dann hoffentlich: Viel Freude in der neuen Spielzeit 2011 / 2012!

 

Ihre dance-for-you-Redaktion



Inhalt 4/2011 Juli-August

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