4/2010 Juli-August

Editorial

 

Die Sommerpause steht bevor, und die Energie von Tänzern wie Choreografen scheint ungebrochen. Martin Schläpfer, neuer Chef des „ballett am rhein“, begeisterte mit „b.05“ zum wiederholten Male durch virtuosen Tanz und anspruchsvolle Choreografien. Und auch sein Gespür in punkto Gastchoreografie hat wieder einmal gestimmt: „Irreversibel“ der gebürtigen Argentinierin Teresa Rotemberg ist ein raffiniertes Arrangement aus 20 lädierten, menschlichen Leibern, ein groteskes Spiel mit Körpern auf der Suche nach Veränderung. Mehr zu Schläpfers erfolgreichem Einstand in Düsseldorf / Duisburg lesen Sie auf Seite 32.

Wandelbarkeit ist auch Thema bei Marco Goeckes neuer Produktion „Orlando“, eine Uraufführung, die Hartmut Regitz für die derzeit beste hält. Der Choreograf verzichtet auf die banale Art der Bebilderung, konzentriert sich auf starke Gesten und auf seine ganz eigene Bewegungssprache. Aus virtuosen Darstellern, wie Alicia Amatriain, Katja Wünsche, Douglas Lee oder William Moore „kitzelt“ er „auch noch verborgenste Emotionen heraus“. Und Friedemann Vogel, dieser charismatische Tänzer, ist auch nach seinem weiblichen Rollenspiel am Ende wieder „ganz er selbst“. ( Seite 39)

Der Jugend gehört die Zukunft, und so freuen wir uns über Projekte, wie „Dance for Nature“ am Theater Osnabrück oder „Heavy Music – Cool Love 2010“ am Musiktheater im Revier. Bereits seit 13 Jahren feiert Bernd Schindowski mit seinem Ballett und den beteiligten Schülern in Gelsenkirchen Erfolge, mit Produktionen, die Profis wie Laien gleichwertig einbeziehen. Dabei kommen die Jugendlichen (180!) zu Wort wie sonst kaum irgendwo. Das Ergebnis ist berührend und schlichtweg bühnenreif. 

Sichtlich schwerer hatte es Antje Rose mit „Dance for Nature“, ein ambitioniertes Projekt, das allerdings künstlerisch weit weniger herausragte als Schindowskis große Produktion, allein deshalb, weil „Heavy Music – Cool Love“ mehr Talente auf die Bühne bringt und durch Authentizität besticht. Gleichwohl: Für die Schüler hat sich eine neue Welt aufgetan. Und die Idee, Tanz mit Umwelterziehung zu vereinen, trägt seinen Wert in sich.  

 

Die Tanzstudenten der Ballett-Akademie München freuen sich vermutlich nicht nur auf die Ferien, sondern auch auf Jan Broeckx, der ab Oktober die Ausbildungsstätte leiten wird. Der Startänzer und Pädagoge möchte die Schule, die bis dato unter der Führung von Konstanze Vernon und Robert North gestanden hat, weiterentwickeln. Ein Ballett-Internat schwebt ihm vor, Schule und Ballettunterricht sollen näher zusammenrücken, vor allem aber möchte der Belgier seine Liebe zum Tanz vermitteln, „mitdenkende Tänzer“ wie auch starke Persönlichkeiten fördern und als Mensch für seine Studierenden da sein. Wir wünschen ihm auf diesem Wege viel Kraft!

 

Ihre Redaktion

 

 

 

 

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