4/2007 Juli-August

 

Ausgabe Juli-August 2007

Editorial

Der Tanz ist eine Kunst, die zumindest an deutschen Bühnen immer noch als Stiefkind gehandelt wird. Wenn gespart werden muss, ist in der Regel das Ballett zuerst betroffen. Dass sich die meisten Tänzer und Choreografen mehr schlecht als recht zu vermarkten wissen, macht die Situation nicht besser. Verständlich, dass Künstler ihre Zeit lieber auf der Bühne verbringen, um zu proben als hinter dem Schreibtisch zu sitzen und sich mit Kalkulation zu beschäftigen. Doch wer vom Tanz leben und seine Company nach vorne bringen will, muss sich unausweichlich mit wirtschaftlichen Aspekten auseinandersetzen. Wir haben uns umgeschaut, welche Konzepte es gibt und sind dabei auf drei interessante Persönlichkeiten gestoßen: Patricia Weiss lebt und arbeitet als freischaffende Tänzerin und Choreografin in New York City. Sie hat gelernt, wie das amerikanische Sponsoren-System funktioniert. Für dance for you beschreibt sie, wie sich Tanzkompanien bekannt machen und welche Möglichkeiten es gibt, zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen. Dabei wird klar, dass es eine Gradwanderung ist, die es zu bestehen gilt: Den Publikumsgeschmack nicht aus den Augen zu verlieren und die Kunst dabei so weit zu bewahren, sich dennoch treu bleiben zu können. Jessica Iwanson und Stefan Sixt bemühen sich ebenfalls um Sponsoring, gehen allerdings mit der Iwanson Sixt Stiftung für zeitgenössischen Tanz einen etwas anderen Weg. Frei nach dem Motto „Jeder hat einmal klein angefangen", setzen sich Sixt und Iwanson zunächst bescheidene Ziele. Reisekostenzuschüsse, die Finanzierung von Workshops oder kleinere Stipendien sollen junge Tänzer, Choreografen und Pädagogen unmittelbar unterstützen und den zeitgenössischen Tanz allgemein stärken. Mit Hilfe von Sponsoren soll die Stiftung wachsen und sich auch auf Künstler im überregionalen Raum ausdehnen. Ein engagiertes Projekt, dem man nur alles Gute wünschen kann. Diaghilev und Epstein haben es vorgelebt, wenn sie sich jeweils als Impressario für „ihre" Tänzer eingesetzt haben. Paul Seaquist, ausgebildeter Tänzer, Musiker und Komponist, wurde durch Zufall Ballettmanager, verfolgt mit „Seaquist Dance Marketing" jedoch ähnliche Ideale wie die Ballettliebhaber der Vergangenheit, indem er in erster Linie an die Förderung von Künstlern und Kunst denkt und erst danach an den eigenen Profit. Im Interview mit Volkmar Draeger spricht Paul Seaquist über seine Erfahrungen als Manager, sein Konzept und die Ideale seiner Marketing-Firma sowie über seine jüngsten Produktionen.

Finanzen sind nicht alles und so finden Sie natürlich außerdem wie gewohnt Portraits, Interviews und Kritiken, darunter eine Würdigung des niederländischen Tänzers und Choreografen Hans van Manen anlässlich seines 75. Geburtstags, ein Interview mit Tomasz Kajdanski, Ballettchef am Landestheater Eisenach, und eine Reportage vom „Tango-Markkinat", dem finnischen Tango-Festival in Seinäjoki. Holger Vonhof blickt mit einem Augenzwinkern auf die Tanzleidenschaft der Finnen, Sie, liebe Leser, werden beim Lesen sicher ebenso schmunzeln müssen, wie wir.

Einen erholsamen Sommer wünscht Ihre

dance for you – Redaktion

 

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