2/2013 März-April

Editorial

 

Tanz als Ausdruck von Stärke

 

Wir haben es ja schon immer gewusst: Tanzen macht Männer stark. Das können nun auch alle  Muckibuden-gestählten und Fußball-bolzenden männlichen Alphaltiere, die Tänzer für Weicheier halten, nachlesen. Das heißt, sie können sich sogar mit eigenen Augen davon überzeugen, denn auf kleinen You-tube-Filmchen werden die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse der Northumbria University in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen auch dem breiten, bislang ungläubigen Publikum zugeführt. Gute Tänzer senden nämlich deutliche Signale, nicht nur an die Damenwelt, sondern auch an die männlichen Rivalen. 

 

Die Studie des Psychologen Dr. Nick Neave in Zusammenarbeit mit Forscher Kristofer McCarty hat sich dazu eines Experimentes bedient. Die beiden wollten herausfinden, was männliches Tanzen aussagt über die physische Kondition und Fitness der Probanden. Also tanzten dreißig Männer zwischen 19 und 37 Jahren dafür zu einem Grundtrommel-Rhythmus, nachdem sie vorher einen Fitness-Test absolviert hatten. Um nicht vom jeweiligen tanzenden Individuum beeinflusst zu werden, wurde das Bewegungsvokabular in eine 3-D-Animation übersetzt. Solcherart zu Avataren abstrahiert, sollten nun sowohl Männer als auch Frauen ihr Urteil fällen über Tanz und die physischen Qualitäten der Probanden. Diese Beurteilungen wurden kombiniert mit verschiedenen biomechanischen Indizes.

 

Und volià: Erstaunlicherweise  gab es kaum unterschiedliche Meinungen bei Mann und Frau. Signifikant zeigten sich positive Assoziationen zwischen der Stärke des Händedrucks und der tänzerischen Qualität, gemessen am Umfang und Impetus der Bewegung von Oberkörper und Armen. 

Ging man bisher davon aus, dass tanzende Männer in erster Linie Signale an die Weiblichkeit senden – analog zu den in der Natur verankerten Balztänzen im Tierreich – so zeigte sich nun, dass sie zugleich auch eine Botschaft für ihre Geschlechtsgenossen parat haben, wenn es darum geht, einen potentiellen Rivalen ausfindig machen. Denn aus den Oberkörper-Bewegungen lässt sich natürlich auch die Kämpferqualität ableiten. Wie schön, dass Tanz so was schon im Vorfeld klären kann.

Dr. Nick Neavers Befund: "Rated dance quality was positively associated with actual grip strength and these clues of upper-body strength were most accurately picked up by male observers. This ability to discern upper-body strength is principally because men are looking for clues of ´formidability`in other males."

 

Ute Fischbach-Kirchgraber

 

Inhalt 2/2013 März-April

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