1/2006 Januar-Februar

Editorial - Ausgabe Januar-Februar 2006 

 

Tanz in die Schulen zu bringen, ist in Deutschland schon seit mehr als zwei Jahren Thema. Im Rahmen der offenen Ganztagsgrundschule erhalten Kinder die Chance, den eigenen Körper tanzend kennen zu lernen und neue Fähigkeiten zu entdecken. Royston Maldoom hatte mit seinem Berlin-Projekt „Rhythm is it“ einen wesentlichen Anteil an dieser erfreulichen Entwicklung. Endlich bekommen kreative Ausdrucksformen auch in der Schule einen Stellenwert, endlich wird die Bedeutung von Tanz und Kunst als wichtiger Eckpfeiler in der kindlichen Entwicklung anerkannt.

Auch unsere Nachbarn in der Schweiz haben die Relevanz von kreativen Lernformen erkannt und die Initiative „Bildung braucht Bewegung“ ins Leben gerufen. (Artikel Seite 4) Und wieder ist es der englische Choreograph, der wichtige Impulse gibt. Was die wenigsten wissen: Royston Maldoom arbeitet seit 20 Jahren weltweit mit Straßenkindern, Gefängnisinsassen oder auch lerngestörten Kindern und kann selbst kaum verstehen, wie ihm nun geschieht. „Früher hätte ich den Politikern am liebsten eine Pistole an die Stirn gehalten, damit sie mir endlich zuhören“, sagte Maldoom auf einem Workshop in Basel. „Heute halten sie mir die Pistole an die Stirn, damit ich rede.“ Dank Marketing und Filmindustrie ist er heute wohl der gefragteste Tanzpädagoge, den es gibt. Hoffen wir, dass die Wirkung noch lange hält!

Derzeit gibt es wohl kaum einen Kulturschaffenden, der nicht mit großer Aufmerksamkeit nach Berlin schaut. Bereits zu Beginn der Regierungszeit deuten sich ernsthafte Veränderungen und Kürzungen an, um den Staatshaushalt zu sanieren. „Kulturstandort Deutschland“, das Thema ist brisant. Soll Kultur ungeschont bleiben? Immerhin ist der Etat für Kultur und Medien der Kleinste im Bundeshaushalt. Mit Günter Pick von der Zentralen Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung (ZBF), Abteilung Tanz, haben wir über die Zukunft von deutschen Tänzern gesprochen (Interview Seite 25), seine Einstellung ist überraschend optimistisch. Optimistisch stimmt auch die neuste Aufführung des American Ballett Theatre.

Glücklicherweise können echte Künstler nicht anders, als für die Bühne zu leben, da macht Not immer noch erfindersich.

In diesem Sinne wünschen wir viel Mut und Kraft für das Jahr 2006! 

Ihre dance for you – Redaktion

 

 

 

 

 

 

Back